Freitag, 14. Dezember 2012

Welche Täter dürfen's denn sein, bitte?

"Es könnte rein theoretisch so sein, dass auch Rechtsextremisten den Eindruck vermitteln wollten, Salafisten wollten den Bahnhof sprengen - nur als Hypothese" sagte Bernd Carstensen, stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

Ja, klar - das isses! Die Ermittlungen sollten zum Ergebnis haben, dass es als Salafisten verkleidete proNRW-Mitglieder waren, die am Montag die Bombe im Bonner Hauptbahnhof deponiert haben, in der Absicht, der Bevölkerung vorzugaukeln, Salafisten wollten den Bahnhof in die Luft sprengen. Damit müssten dann auch alle glücklich und zufrieden sein: SPD-Innenminister Jäger wäre dann nicht nur "aus dem Schneider" - er hätte sogar einen gewaltigen Karriere-Schub. Was für die Ermittler mit Sicherheit nicht von Nachteil wäre! Unsere linkspopulistischen Medien dürften begeistert sein, denn denen würde sich damit nach den schon lange "ausgelutschten" NSU-Geschichten, die niemand mehr lesen oder glauben will, die Möglichkeit jahrelanger Hetzkampagnen gegen Islam-Kritiker und Salafisten-Gegner eröffnen. Die Salafisten dürften mit einem solchen Ermittlungsergebnis ebenfalls sehr zufrieden sein. Und auch Aiman Mazyek und Mutlu Günal dürften keinerlei Einwände haben - was ja auch berücksichtigt werden muss, bevor man sich auf die Täter verständigt.

Außerdem stehen ja auch nicht viele andere Optionen zur Verfügung: Salafisten scheiden bekanntlicherweise schon mal deswegen als Täter aus, weil das für die Karriere des Landes-Innenministers nicht sonderlich förderlich wäre. Bleiben also nur noch Rechtsextreme, vermeintliche Rechtsextreme, als Salafisten verkleidete mutmaßliche Rechtsextreme und unzufriedene Bahnkunden. Und wer will schon bei Lichterketten gegen unzufriedene Bahnkunden mitmachen?

Aber mal im Ernst: Der glücklicherweise gescheiterte Anschlag vom vergangenen Montag entsprach exakt dem Muster bisheriger islamistischer Anschläge. Und islamistische Anschläge muss niemand vorgaukeln, weil es - ganz im Gegensatz zu sogenannten rechtsextremen Anschlägen - in der Realität nun wirklich genug davon gibt. Aber wenn ausgerechnet die Ermittler und Kriminalbeamte, die natürlich genau wissen, welche Bedeutung das Ermittlungsergebnis für die Karriere ihres obersten Chefs und damit auch für die eigene haben wird, seit Mittwoch geradezu mantraartig betonen, wie "objektiv" und "unvoreingenommen" man "in alle Richtungen" ermittele, dann verkommen diese Ermittlungen mehr und mehr zur schlechten Komödie. Dann interessiert es auch immer weniger, welche Täter man uns zum Schluss tatsächlich präsentieren wird. Wirklich interessant wird eigentlich nur noch die Frage sein, wer das dann glauben wird?