Mittwoch, 5. Dezember 2012

Nervtöterin der Woche: Claudia Langer

"Seien wir ehrlich, wir alle wissen, dass Dürren längst ganze Völker in die Flucht treiben. Schuld ist der Klimawandel, also wir. Wir wissen, dass unsere sozialen Systeme kollabieren - von Athen bis Lissabon fliegen die Steine, brennen die Barrikaden. Schuld ist die Gier, also wir. Wir wissen, dass Kriege unserem unstillbaren Hunger nach Rohstoffen geschuldet sind. Und was tun wir? Nichts. Wir kaufen Energiesparlampen und beruhigen unser Gewissen, essen Bio oder spenden für Greenpeace. Nur aktiv werden wir nicht. Aber das müssen wir" - so schrieb Claudia Langer, Gründerin von "Utopia",  am Sonntag im SPIEGEL, um für mehr öffentliche Empörung zu plädieren.

Tun wir das? Kaufen wir Energiesparlampen, essen wir Bio und spenden wir für Greenpeace? Nun, der Betreiber dieses Blogs ganz bestimmt nicht: der hat sich mit preiswerten Glühbirnen der altmodischen Art bevorratet, mampft viel lieber eine Currywurst mit Pommes rot-weiß als diesen Bio-Quatsch und wird in diesem Leben niemals für Greenpeace spenden. Und, wenn wir schon mal dabei sind: der zahlt auch keine Klima-Abgabe beim Kauf eines innerdeutschen Flugtickets. Aber darüber, ab 1. Januar schon wieder mehr für das Luxusgut Strom bezahlen zu müssen, nur weil einige Grün_Innen ein Problem mit Atomkraft haben, regt er sich nicht unter dreimal täglich auf. Und "öko-bewussten" Radfahrer_Innen, die täglich auf Mönchengladbachs Bürgersteigen andere erschrecken, gefährden und nicht selten über den Haufen fahren, wünscht er alles Schlechte - dafür liebt er Witze über Frauen, die stolz von ihrem "klimaneutralen Urlaub" erzählen.

Aber im totalitären Parallel-Universum der Claudia Langer kaufen die Menschen Energiesparlampen, essen "Bio" und spenden für Greenpeace. Der leicht größenwahnsinnige Versuch der Frau Langer, einfach von sich auf den Rest der Gesellschaft zu schließen, dürfte schon mal geglückt sein. Und man staunt einfach nur, was diese Dame alles so als Faktum unterstellt: dass wir am Klimawandel schuld sind und damit auch an der "Flucht" ganzer Völker vor Dürren. Wegen unserer "Gier" sind wir natürlich auch am Kollaps der Sozialsysteme schuld. Nicht zu vergessen, dass die Kriege unserer Zeit auch nichts mit Allah oder dem Islam zu tun haben, nein, auch daran sind wir schuld - wegen unseres "unstillbaren Hungers" nach Rohstoffen. Behauptungen, die Frau Langer in ihrem ansonsten eher inhaltsleeren Beitrag einfach so als Fakten in den Raum stellt, um uns ein schlechtes Gewissen zu machen.

"Wir schauen weg, wenn Nazis wüten"

Tja, spätestens an dieser Stelle ihres Textes wird Frau Langer endgültig zur Nervtöterin, denn das Wüten der Nazis wurde bereits 1945 von der Royal Air Force sehr erfolgreich beendet. Glücklicherweise. Seitdem leben wir in jenem Zustand, wo wir es - ebenfalls glücklicherweise - kaum noch mit "wütenden" Nazis zu tun haben. Mit Verlaub: Ein durchgeknalltes, mordendes NSU-Trio ist etwas sehr Unappetitliches und Hässliches, etwas, auf das wir alle lieber verzichtet hätten. Aber aus 3 Personen, von denen eine im Knast sitzt und die beiden anderen gar nicht mehr sind, ein Nazi-Problem zu machen, ist eine Beleidigung eines jeden gesunden Menschenverstandes.

Dafür wüten längst andere: Die Enkel der SA haben zur Antifa umfirmiert, wüten aber nicht selten schlimmer als ihre Großväter. Junge Türken wüten immer häufiger, schlagen andere zusammen oder treten sie gar tot. Ein Rassismus, der nicht weniger schlimm ist, als der eines durchgeknallten NSU-Trios - der aber im Gegensatz zum NSU-Trio weitergeht. Und der radikale Islam, der in anderen Teilen der Welt Christen abschlachtet, Frauen unterdrückt und zur Ausrottung der Juden aufruft, hat in Gestalt von Salafisten, Muslim-Brüdern und anderen unappetitlichen Gruppierungen längst auch unser Land erreicht. Alles Dinge, die Claudia Langer offensichtlich nicht empören. Dinge, die sie nicht einmal für erwähnenswert hält.

Wären Langer & Co. nicht so unglaublich nervtötend, so könnte man diese Gattung Mensch schon fast unterhaltsam finden: Vor 1945 hat man sich - wenn überhaupt - nur hinter vorgehaltener Hand darüber beklagt, dass das Wüten der Nazis ein Ende haben müsste. Aber nachdem die Alliierten dem Wüten der Nazis tatsächlich ein Ende gemacht haben, beschwert man sich plötzlich lautstark über Nazis und fordert, etwas dagegen zu unternehmen. Und irgendwann, vielleicht in 50 oder 100 Jahren, wird diese Gattung Mensch auch lautstark dazu aufrufen, der Gewalt im Namen Allahs nicht länger zuzuschauen. Aber erst dann, wenn andere dieser Bedrohung ein Ende gemacht haben - keine einzige Sekunde früher. Und falls es dann eine neue Bedrohung geben sollte, von der wir heute noch nichts ahnen, so dürfte das Engagement gegen die Gewalt im Namen Allahs dann genauso überflüssig sein, wie das Engagement gegen Nazis nach 1945.

Dazu aufzurufen, sich gegenwärtigen Bedrohungen entgegenzustellen, wäre jedoch mit persönlichen Risiken verbunden. Risiken, die unsere sogenannten Gutmenschen niemals eingehen würden. Andere bevormunden, ihnen zu sagen, was sie zu tun und zu lassen haben, was sie zu essen haben und welche Leuchtmittel sie gefälligst zu kaufen haben, die jeweils vorherrschenden politisch korrekten Phrasen nachzuplappern, Lichterketten gegen längst vergangene Bedrohungen zu bilden, aber bei jeder Art von gegenwärtigem Wüten konsequent wegzuschauen, ist da viel bequemer und risikoloser. Und dazu, immer einen Platz in der gerade herrschenden Einheitspresse sicher zu haben, ganz gleich, ob die sich gerade Stürmer, Neues Deutschland, SPIEGEL oder - demnächst vielleicht - Al-ahram nennt, reicht es ja auch völlig.