Samstag, 6. Oktober 2012

Wie der Bonner "Generalverschweiger" Fragen stellt

"Es ist schon auffällig, dass Sie in den letzten Monaten, was Neonazis und Rockerbanden, Rechtsextremisten und Salafisten angeht, besonders aktiv waren.
Jäger: Haben Sie was dagegen?"
(Auszug aus einem heute veröffentlichten Interview des Bonner General-Anzeigers mit NRW-Innenminister Jäger, hier das ganze Interview)

Man liest und glaubt, seinen Augen nicht trauen zu können: Die Journalisten des Bonner General-Anzeigers sprechen im Interview mit Innenminister Ralf Jäger (SPD) davon, dass Herr Jäger in den letzten Monaten auch bei Salafisten aktiv gewesen sei!

Der Clou solcher schmierigen Tricksereien ist: Hätte Ralf Jäger behauptet, er hätte etwas gegen die Salafisten unternommen, so hätte man ihm eine Lüge vorwerfen können - denn aus der inzwischen mehr als 26-monatigen Amtzeit Jägers ist von ihm keine einzige Maßnahme gegen Salafisten bekannt. Aber es war nicht Jäger, der diese Behauptung aufgestellt hat - es waren die Journalisten des Bonner General-Anzeigers, die, anstatt (wie in Interviews üblich) eine Frage zu stellen, diese Unterstellung in den Raum gestellt haben. Und da diese Journalisten nicht explizit von positiver Aktivität gesprochen haben und - strenggenommen - auch Einknicken vor den Salafisten in Form des Verbietens von Mohammed-Karikaturen eine Form von Aktivität darstellt, mag das natürlich ein ganz schmieriger Trick sein, mit welchem dem Leser falsche Tatsachen suggeriert werden - aber strenggenommen ist es nicht einmal eine Lüge.

Und ähnlich trickreich verläuft dieses vermeintliche "Interview" dann auch weiter: Wenn von der Salafisten-Hochburg Bonn die Rede ist, stellen die Journalisten des Bonner General-Anzeigers immer genau die Fragen, die es Ralf Jäger ermöglichen, lang und breit über den Salafismus zu referieren. Ganz so, als ob die Aufgabe eines Innenministers des Landes Nordrhein-Westfalen nicht etwa darin bestünde, die Bürger vor gefährlichen Extremisten zu schützen - sondern darin, sie darüber aufzuklären, welche Extremisten mehr und mehr von ihrer Stadt Besitz ergreifen. Aber die einzige Frage, welche die verängstigten und wütenden Bonner Bürger wirklich interessiert, nämlich die, was Herr Jäger gegen die Salafisten zu tun gedenkt, wird natürlich nicht gestellt - was allerdings auf höchst unfreiwillige Art auch wieder sehr aussagekräftig ist.

Nun ja. Zumindest die Frage danach, warum diese Zeitung vom Bonner Volksmund "Bonner Generalverschweiger" genannt wird, dürfte nach diesem "Interview" eindrucksvoll geklärt sein. Verwunderlich ist nur, dass der "Bonner Generalverschweiger" für eine als Interview getarnte Selbstdarstellung eines SPD-Politikers mit Bernd Eyermann, Ulrich Lüke, Ayla Jacob und Alexander Marinos gleich vier seiner Mitarbeiter aufbieten muss - dafür, die vom Innenministerium gewünschten "Fragen" vom Blatt abzulesen, hätte ein Praktikant eigentlich reichen müssen.