Donnerstag, 23. August 2012

Ein Prophet wird diskriminiert

"Anhänger des radikalislamischen Salafismus wollen am Samstag erneut den Koran in Hannovers Innenstadt verteilen. Dabei wolle man auch gegen die Diskriminierung des Propheten Mohammed durch die Gruppierung "Pro Deutschland" protestieren, teilten die Veranstalter am Mittwoch mit. Die Polizei ist auf die Aktion vorbereitet, wie eine Sprecherin auf dapd-Anfrage sagte." (Quelle: T-Online, 22.08.12)

Sowas: Ein Prophet wird diskriminiert. Vorbei also die Zeiten, in denen Propheten stets bevorzugte Aufmerksamkeit und Ehrerbietung hatten. Selbst dann, wenn sie irgendeinen Mist "verzapft" hatten, für den man jeden Nicht-Propheten sofort dezent in das nächste Landes-Krankenhaus verfrachtet hätte. Nein, diese Zeiten sind vorbei - heutzutage werden Propheten diskriminiert!

Aber was meinen die Salafisten damit, wenn sie von der "Diskriminierung" ihres Propheten reden? Meinen sie damit, dass ihr Prophet bei der Wohnungssuche benachteiligt wird? Dass er im öffentlichen Personen-Nahverkehr immer auf den hinteren Sitzbänken Platz nehmen, gar stehen muss? Dass er sich in der Schlange bei der ARGE hinten anstellen muss, während andere Propheten ihren Anträge auf Sozialleistungen bevorzugt und sofort abgeben können? Nein, nichts dergleichen. Die Salafisten nerven erneut mit dieser "Uralt-Geschichte", nach welcher eine bildhafte Darstellung ihres Propheten einer Diskriminierung gleichkäme. Eine Idee, die ganz eindeutig aus jener Zeit stammt, in der die Paparazzi noch nicht gewerkschaftlich organisiert waren. Die aber nach der Vorstellung der Salafisten über den richtigen Umgang mit Propheten auch im Jahre 2012 gefälligst von jedem Menschen dieser Welt beachtet werden muss.

Eine gute Gelegenheit, einmal zwei Dinge klarzustellen. Erstens: Der Streit um die Mohamed-Karikatur dürfte weniger darin begründet sein, dass diese Karikatur irgendwelche "religiösen Gefühle" verletze. Der Streit um diese Karikatur dürfte schlicht darin begründet sein, dass diese Karikatur höchst treffend ist - im Sinne von wahrheitsgemäß. Und die Unterdrückung von Wahrheit im Namen der Religion mag eine jahrtausendealte Tradition haben - sie hat aber in einer aufgeklärten mitteleuropäischen Zivilisation des 21. Jahrhunderts trotzdem nichts verloren.

Und zweitens: Solange Salafisten Frauen systematisch unterdrücken und somit diskriminieren, erübrigt sich für das Verständnis des Blog-Betreibers ohnehin jede Debatte über die "Diskriminierung" von Propheten. Nicht zu vergessen, dass man auch die Ermordung von sog. "Ungläubigen" als Form der Diskriminierung verstehen könnte. Menschenrechte im Allgemeinen und Frauenrechte im Speziellen sind höherwertiger als Propheten-Rechte - wer das nicht begreift, hat in unserer heutigen Gesellschaft nichts verloren.