Sonntag, 5. August 2012

Die Alt-68er und der Extremismus

"Der Berliner Islamist und ehemalige Rap-Musiker Denis C. alias "Deso Dogg", der als einer der geistigen Brandstifter der verbotenen Solinger Salafisten-Gruppe Millatu Ibrahim gilt, ist nach Medienberichten untergetaucht; und dies bereits Anfang Juni." (Quelle: RP-Online, 09.07.12)

Sieh an, sieh an: Wenn es um den Salafisten Denis Cuspert alias "Deso Dogg" geht, achtet die Rheinische Post peinlichst darauf, die Persönlichkeits-Rechte dieses Jihadisten bloß nicht zu verletzen - und benennt ihn nicht bei seinem Nachnamen, sondern kürzt diesen ab. Noch interessanter ist die Berichterstattung der Rheinischen Post über jenen Salafisten, der am 5. Mai in Bonn drei Polizisten abzustechen versucht und zwei davon schwer verletzt hat: Da verzichtete die Rheinische Post - im Gegensatz zu anderen Zeitungen - bislang in allen ihren Beiträgen auf jegliche Nennung seines Namens (hier, hier, hier, hier und hier).

Noch spannender wird es, wenn man sich einmal die Berichterstattung der Rheinischen Post zum jüngsten Prozeß gegen jenen Salafisten, der beklagt war, am 06.03.11 auf einen am Boden liegenden Karnevalisten mit einem Schlagstock eingeschlagen zu haben, näher anguckt: Auch da wird der Name des beklagten Salafisten nicht genannt. Und obwohl der Betreiber dieses Blogs im Gerichtssaal mit eigenen Augen gesehen hat, dass die Presse-Photographen den beklagten Salafisten mehrfach von vorne fotografiert haben, hat die Rheinische Post in ihrer Gerichts-Reportage merkwürdigerweise ein Foto abgebildet, dass den beklagten Salafisten nur von hinten zeigt.

Diese geradezu rührenden Bemühungen der Rheinischen Post zur Wahrung der Persönlichkeits-Rechte von kriminellen Salafisten stehen in einem merkwürdigen Widerspruch zur Berichterstattung über jene Ruderin, die, obwohl sie nie ein Gesetz unseres Landes gebrochen hat, von den Olympischen Spielen gegangen wurde, weil sie privat mit einem NPD-Funktionär liiert ist: Da wird ständig der Name der jungen Dame genannt, jeder Beitrag wird voyeuristisch mit mehrfachen Fotos der jungen Frau illustriert (hier, hier, hier und hier).

Damit an dieser Stelle bitte kein Missverständnis entstehen möge: Die Umtriebe der NPD, ihrer Mitglieder und ihrer Sympathisanten sollen hier in keinster Weise verklärt oder verharmlost werden. Wenn in Leser-Kommentarbereichen plötzlich inflationär das Argument bemüht wird, die NPD sei nicht verboten und somit eine ganz "normale", demokratische Partei, dann ist das - vorsichtig formuliert - beunruhigend. Und spätestens wenn ausgerechnet im islam-kritischen Teil des deutschen Internets lobend ein Blog-Beitrag des Sozialisten und Ahmedinejad-Freundes Jürgen Elsässer herumgereicht wird, in welchem er zur Solidarität mit jener Ruderin aufruft und bei dieser Gelegenheit den "Anti-Faschismus" der Mauermörder-DDR preist, sollten eigentlich die ersten Alarmglocken laut schrillen.

In diesem Beitrag jedoch geht es ausschließlich um die Frage, ob es sein kann, dass die Alt-68er längst bis in die Redaktions-Stuben einst angesehener bürgerlich-konservativer Zeitungen vorgedrungen sind? Denn diese extreme Subjektivität, mit der eine Zeitung, die sich selber immer noch als "Zeitung für Politik und christliche Kultur" bezeichnet, an das Thema Extremismus herangeht, wirkt einfach zutiefst linksideologisch verklärt. Oder wie sonst haben wir es zu verstehen, dass man im Umgang mit dem Rechtsextremismus weder mit Sippenhaft ein Problem hat, noch damit, sich lustvoll an einer von der Qualitätsjournaille in bester Stürmer-Manier inszenierten öffentlichen Hinrichtung einer jungen Frau zu beteiligen - sich aber gleichzeitig wie keine andere Zeitung bemüht, die Persönlichkeits-Rechte krimineller Salafisten bloß nicht zu missachten?