Samstag, 4. Dezember 2010

10.000 Unterschriften und ein Überfall

Die von einem Mitstreiter der BI zensierte und veränderte Fassung wurde auf später auf
http://b-f-mg.org/ veröffentlicht. Hier nun die am 04.12.10 verfasste unzensierte Original-Fassung:
 
Unser Info-Stand auf der Hindenburgstraße am 27.11.10 begann sehr erfreulich - wenn man mal von der Kälte absieht. An diesem Tag erwarteten wir unsere 10.000ste Unterschrift im Kampf gegen die Salafisten. Es waren überdurchschnittlich viele BI-Mitglieder vor Ort, unser Chef war da und ein Reporter der Rheinischen Post hatte sich zu diesem Ereignis angekündigt. Erfreulicherweise war das “Brimborium” um dieses Ereignis schnell vorbei, so dass wir zu unserer Aufgabe zurückkehren konnten: Interessierte Bürger über die verfassungsfeindlichen Absichten des “Vereins” EZP aufzuklären und Unterschriften zu sammeln.

Anfänglich war reger Betrieb: Die Mehrheit der angesprochenen Bürger steht unserem Anliegen traditionell positiv gegenüber, wenn wir merken, dass Menschen in Ruhe gelassen werden wollen, so respektieren wir das. Menschen zu “belabern” ist nicht Teil unserer Philosophie. Dass die meisten Menschen desinteressiert weitergehen, ist im Innenstadt-Bereich völlig normal. Natürlich kommen zwischendurch auch immer rechte oder linke “Dumpfbacken”, die blöde Sprüche machen oder uns beleidigen - auf so was reagieren wir inzwischen gar nicht mehr.

Zwischen 16 und 17 Uhr wurde es langsam dunkel, der Betrieb am Stand flachte etwas ab. Die Hälfte unseres Teams war nicht mehr da, die andere Hälfte organisierte den Kaffee-Nachschub und fluchte über die Kälte. Als die drei späteren Angreifer an unseren Stand herantraten, war ihre Gereiztheit und Unfreundlichkeit deutlich sichtbar. Was aber bei muslimischen Jugendlichen nicht ungewöhnlich ist, denn Menschen, die mit den Zielen und Werten der BI nicht vertraut sind, interpretieren unser Engagement gegen den Verein EZP nicht selten fälschlicherweise als anti-muslimisch. Zumeist wird dieser falsche Eindruck im Gespräch aber schnell ausgeräumt - und dem Zwecke der Aufklärung und Information dienen ja unsere Info-Stände. Ich weiß noch, wie mir beim späteren Haupttäter auffiel, dass er eine schwere Kette mit überdimensionierter türkischen Flagge um den Hals trug. Mein Gedanke war: “Patriotismus ist ja völlig in Ordnung - aber das ist zu überdimensioniert.”

Da der Betrieb am Stand etwas abflachte, entschloss ich mich zu einer Zigaretten-Pause und stellt mich zum Zwecke des Nichtraucher-Schutzes etwas abseits. Ich sah noch, wie zwei meiner Mitstreiter sich mit den drei Jugendlichen ebenfalls etwas abseits stellten - allerdings in eine andere Richtung. Auch das war nichts Ungewöhnliches, denn bei längeren Diskussionen gehen wir immer ein bisschen vom Stand weg - um die Menschen nicht zu behindern, die nur kurz unterschreiben und dann schnell weiter wollen. Ich beobachtete die Situation, konnte bis dahin aber nicht Ungewöhnliches oder Beunruhigendes sehen - also wollte ich in Ruhe meine Zigaretten-Pause beenden.

Plötzlich ging alles ganz schnell: Ich hörte, wie der Haupttäter laut und aggressiv etwas schrie, was sich für mich wie “Ich Dich bombe” anhörte - später wurde mir dieser Wortlaut bestätigt. Später wurde mir berichtet, dass er unmittelbar danach einen Mitstreiter getreten und angespuckt hat. In dem Moment jedoch habe ich nur gesehen, wie er plötzlich in Richtung auf den Stand losrannte und unsere Aufbauten sofort mit wuchtigen Fußtritten traktierte. Leider wurde da einiges zerstört. Die beiden anderen Jugendlichen rannten sofort weg, einer meiner Mitstreiter rannte hinterher. Ein anderer meiner Mitstreiter versuchte den Haupttäter zu ergreifen, um ihn an weiteren Zerstörungen zu hindern. Es gelang ihm, ihn von hinten zu ergreifen - leider jedoch konnte sich der junge Mann mit Hilfe seiner Ellenbogen befreien und ebenfalls wegrennen.

Eine Mitstreiterin ergriff geistesgegenwärtig ihr Handy und fragte “Soll ich die Polizei rufen?”. Ich selber besitze kein Handy und sagte sofort “Ja.” Um ehrlich zu sein: Als wir alle begriffen hatten, was da überhaupt passiert war, war alles längst vorbei. Meine beiden Mitstreiter, die versucht hatten die jungen Männer zu ergreifen, kamen an den Stand zurück - völlig außer Atem. Wir schauten uns ratlos an und widmeten unsere Aufmerksamkeit den entstandenen Schäden. Um das optische Erscheinungsbild unseres Standes nicht zu beeinträchtigen, räumten wir alle beschädigten Teile erst einmal zur Seite. Einer meiner Mitstreiter fluchte laut “Ich will, dass die uns das bezahlen” - was natürlich ein frommer Wunsch ist.

Wir haben dann ganz normal weitergemacht: Wir haben weiter mit interessierten Bürgern geredet und deren Unterschriften entgegengenommen. Rückblickend glaube ich: Wir haben das auch deshalb gemacht, weil wir völlig geschockt waren. Normalität als Beruhigung.

Ich weiß noch, wie eine andere Mitstreiterin zu mir sagte: “Beim nächsten Mal nehme ich Pfefferspray mit.” Ich sagte: “Ja, das ist sinnvoll.” Sie guckte mich dann an und sagte “Aber wir geben nicht auf, oder?” Ich versuchte, möglichst bestimmt zu klingen und entgegnete: “Nein, wir nicht. Nicht die BI.” Das mag kitschig klingen, aber ich habe das wirklich so gesagt. Auch wenn wir das Ereignis zu diesem Zeitpunkt in keinster Weise verarbeitet hatten, so war uns doch instinktiv klar, dass man uns damit einschüchtern wollte. Und neben dem Schock und der Fassungslosigkeit spürten wir auch schnell Wut und Trotz.

Nach fast einer halben Stunde kam dann die Polizei. Die Beamten nahmen freundlich und geduldig die Zeugenaussagen auf und besahen die Schäden am Stand. Meinen beiden Mitstreitern, die mit den jungen Männern zu reden versucht hatten, wurde angeboten ins Polizeipräsidium zu gehen, um sich Fotos von verdächtigen Personen anzusehen. Was beide dann auch gemacht haben - leider waren unsere Angreifer nicht dabei. Wir haben dann ganz normal unseren Stand abgebaut und alles verladen. Ich hörte noch, wie eine andere Mitstreiterin leise sagte: “Sowas hatten wir auch noch nie - unter Polizeischutz abbauen und weggehen.”

Rein statistisch betrachtet war es übrigens ein sehr erfolgreicher Tag: Weitere 600 Unterschriften verängstigter bzw. wütender Mönchengladbacher Bürger.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Antwort an Mario Bocks ("Die Linke")

unter dem früheren Pseudonym "ExCDUWähler"  am 05.10.10 im Kommentar-Bereich des 
RPO-Artikels "Islamschule: Protest gegen Proteste" veröffentlicht

Autor: Mario Bocks / Datum: 05.10.10 01:35

Ich fürchte, Sie haben da die eine oder andere Zuschrift falsch verstanden.

Ich kann da jetzt nur für mich sprechen. Ich habe lediglich die fehlende Abgrenzung zum Linksextremen hin kritisiert. Was durch die - übrigens mir bekannte - Auflistung ja auch bestätigt wird. Auch die Menschen in der BI kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten - bis dahin ist das alles nicht viel anders und ich habe niemals das Gegenteil behauptet. Nur ist die BI zu den Rändern hin einfach ein bisschen besser abgegrenzt. Und bei dieser Aussage bleibe ich. Und zu einer ''Demo für die Islamisten'' hat das hier niemand umgedeutet.

Aber es gibt nun einmal diese Geschichte, dass bei der Vereinsgründung von ''BfMG'' ein Nicht-Vereinsmitglied Reinhold Schiffers im Scherz gefragt hat, ob denn die BI zusammen mit den Salafisten gegen die Braunen demonstrieren sollen? Jede Menge Anwesende haben mir erzählt, dass Schiffers diesen Vorschlag ernst genommen hat. Bei soviel übereinstimmenden Aussagen glaube ich diese Geschichte.

Meinen Witz, ob denn Ciftci, Lau und Vogel gegen die Braunen mitmarschieren werden, mag so mancher als zynisch betrachten. Wie im obigen Absatz dargestellt, hat dieser zynische Witz jedoch einen beunruhigenden Hintergrund. Und eines bleibt Fakt: Völlig unabhängig davon, ob man proNRW mag oder nicht (ich habe mich immer wieder gegen proNRW ausgesprochen), so ist die Demo des ''Bündnisses'' eine Gegen-Demo zu einer Demo gegen EZP. Die Eickener und ihr Anliegen sind dabei völlig unwichtig.

Sie mögen manches vielleicht anders sehen als ich. Das ist Ihr gutes Recht, denn noch haben wir Meinungsfreiheit. Aber ich würde Sie bitten, mir und anderen nichts zu unterstellen, was so weder gesagt noch gemeint war.